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Der mit dem Feuer spielt
Mit seinen höchst vergänglichen Kunstwerken aus Feuer, Licht und Musik ber¨hrt Joe Weidner die Seelen der Menschen
© Art of Fire Joe Weidner holt keine Sterne vom Himmel. Im Gegenteil! Mit feurig-blauen Chrysanthemen, Dahlienbomben und Silberblühern, seinen liebsten Feuerwerkskörpern, krönt er das Glitzern am Firmament. Unter seiner Hand erblühen am dunklen Nachthimmel die vergänglichsten aller Schönheiten.
Der Berliner ist jedoch nicht nur Feuerwerker. Er ist Arrangeur, Komponist und Gestalter, ein dem Feuer und Licht Verfallener. "Ich schieße nicht einfach ein paar bunte Raketen in den Himmel, ich will mit meinen Inszenierungen Emotionen vermitteln", beschreibt er seine Ziele. "Die einzige Sprache, mit der ich jeden, egal ob reich oder arm, schwarz oder weiß erreichen kann, ist die des Gefühls." Die Seelen-Saite der Zuschauer bringt Joe Weidner mit Musik, mit Sprache und natürlich mit Licht und Feuerwerk zum vibrieren. Um seine hohen Ansprüche zu befriedigen, benötigt er intensive Vorbereitungen. "An einer großen Show arbeite ich etwa ein Dreivierteljahr", erklärt Weidner. Zuerst wird das Thema bestimmt, beispielsweise die Sommersonnenwende, der er im Jahr 2000 im Magdeburger Elbauenpark ein feuriges Denkmal setzte, oder die 150 Jahr-Feier im Fürst-Pückler-Park in Branitz. Danach erarbeitet der Mann mit der gepflegten Altrockermähne einen maßgeschneiderten Text, der später von einem Sprecher aufgenommen wird. Die Musik, mit der das Spektakel untermalt wird, klaubt sich Weidner aus klassischen und modernen Stücken, mit Vorliebe auch aus Filmmusiken, zusammen.

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Themen des Hollywood-Komponisten Hans Zimmer greift Weidner besonders gern auf. "Ich setze die Gefühle, die mit der Filmmusik untermalt werden, dann in mein Medium um." Schließlich werden - immer passend zum Ort des Geschehens - die Lichteffekte komponiert. Den Magdeburger Jahrtausendturm etwa ließ Weidner erst in rot und gold und dann blau erglühen. Dazu kommen von weiteren Spezialisten programmierte dreidimensionale Lasereffekte. Und natürlich der explosive Höhepunkt, die Feuerelemente. Um alle Zutaten für eine große Show schließlich vor Ort zu installieren, sind bis zu 40 Leute nötig, allein das Material wiegt mehrere Tonnen. So viel Aufwand hat seinen Preis - die Kosten für ein solches Multimedia-Spektakel können durchaus im sechsstelligen Bereich liegen. Was Feuerwerker Weidner nicht macht, ist die Herstellung von Feuerwerkskörpern. Die werden zumeist direkt von den Produzenten an die Aufführungsorte gebracht, zu gefährlich ist die Lagerung der explosiven Chemikalien und das Hantieren damit. Natürlich hat Joe Weidner die nach dem Sprengstoffgesetz erforderlichen Scheine, die jeder, der ein professionelles Feuerwerk abbrennen will, benötigt. Immerhin ist er seit fast zehn Jahren mit seinem in Berlin ansässigen Unternehmen "Art of Fire" im Geschäft. Doch die anderen Fähigkeiten, die man benötigt, um aus Feuer, Licht, Musik und Text ein solches Kunstwerk zu kreieren, die hat ihm seine buntscheckige Biografie beschert.

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Auf mancherlei Umwegen kam Joe Weidner ins Showgeschäft. "Ich war Tontechniker bei der Band "Phönix", bis Anfang der 80er Jahre dann bei der auch im Westen bekannten Gruppe "Silly". Später tourte er mit dem Illusionskünstler Mark Wessely durch die Lande - sogar, ein Sonderfall für DDR-Bürger, ins Ausland. Nach der Wende gründete Joe Weidner die Künstleragentur "Best from East". "Das lief zunächst fantastisch, wir hatten Künstler und Artisten aus dem Osten unter Vertrag, die ihr Handwerk wirklich beherrschten". Außerdem kannte Joe in West und Ost die richtigen Leute. Doch nach zwei erfolgreichen Jahren kam mit einem gescheiterten Großprojekt in der Türkei die Pleite - er "aß auf einem enormen Schuldenberg". Nach einem Zwischenspiel als Marketing-Promoter fand Joe Weidner dann schließlich zur Feuerwerkskunst.

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Reiz und Makel seiner Kunst ist für Weidner die Vergänglichkeit. Nur wenige Minuten können sich die Zuschauer an seinen Werken ergötzen. Dann sind sie nur noch Schall und beißender Rauch - und der Mann, der sie erzeugt hat, bleibt leer und wie ausgebrannt zurück. Doch die Intensität der Gefühle, die er bei den Zuschauern hervorgerufen hat, spricht für sich: "Feuer, Musik, Farben und Gerüche erzeugen ohne den Umweg über den Intellekt sofort Emotionen." Seine Arbeit vergleicht Joe Weidner gern mit der eines Kochs: "Ich nehme die Zutaten, verarbeite sie liebevoll, so dass sie schließlich ein wunderbares Menü ergeben - aber dann ist in 45 Minuten alles aufgegessen - und ich muss noch den Abwasch machen."

Christina Petrich-Löhr
Die Welt/Karrierewelt 28.12.2003 (gekürzt)

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